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Geschichte der Süßen Fratzen PDF

In diesem Kapitel möchte ich (Zweibeinerin Daniela) Euch erzählen, wie es zu den Süßen Fratzen und zu dem Engagement für die Interessen von Kleintieren gekommen ist.

Ich wollte eigentlich schon immer Tiere haben. Als ich ungefähr fünf Jahre alt war bekam ich von meinen Eltern Meerschweinchen Karlchen geschenkt. Wir haben es in einer Zoohandlung gekauft und uns auf die Beratung des dort arbeitenden Fachpersonals verlassen und somit so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen konnte. Karlchen lebte leider nur ungefähr sechs Monate bei uns, dann musste er über die Regenbogenbrücke gehen.

Danach bekam ich erstmal kein neues Tier. Ich versuchte meine Eltern immer wieder von Katzen, Kaninchen und vor allem von Meerschweinchen zu überzeugen - doch leider erfolglos. Ich muss dazu sagen, dass mein Bruder leider Probleme mit seiner Haut hatte und auf so ziemlich alles was ein Fell hat reagierte. Von daher war die Entscheidung meiner Eltern natürlich verständlich und außerdem hatte ich ja noch diesen kleinen Fratz zum Spielen :-).

Später bekam ich dann Fische. Was soll ich sagen? Sie stammten auch aus Zoohandlungen; Beratung im Internet gab es nicht und ich glaube dass ich wieder einmal ziemlich viel falsch gemacht habe.

Meinen Wunsch nach einem Tier zum Knuddeln und Streicheln erfüllte ich mir erst sehr viele Jahre später. Mit 23 besuchte ich Freunde, die Meerschweinchen hatten und mein Wunsch nach diesen süßen Fratzen keimte wieder auf. Da ich schon lange nicht mehr zu Hause wohnte, konnte ich mir meinen Herzenswunsch nun endlich erfüllen. Diesmal führte mich mein erster Weg jedoch nicht in eine Zoohandlung sondern ins Tierheim. Dort saßen gerade acht arme Meerschweinchen, sieben Babys und ihr Papa. Alle hatten gerade einen schweren Milbenbefall überstanden und warteten auf ein schönes neues Zuhause bei Zweibeinern, die sie besser behandeln als ihre letzten. Ich habe mich sofort in Hänschen und Flöckchen verliebt und nur drei Tage später saßen die süßen Fratzen bei mir zu Hause.

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Schnell wurde mir jedoch bewusst, dass ich nicht viel Ahnung von den neuen Tieren hatte. So hielt ich ihr freudiges „popcornen“ für epileptische Anfälle und ihr Quieken für ein Zeichen von Schmerzen. Doch mit Hilfe des Tierheimpersonals, meiner Freunde und des Internets bin ich dann doch irgendwie zu einer halbwegs kompetenten Meerschweinchen-Mama geworden.  Wir haben einen Umzug überlebt, zwei Kastrationen und diverse lustige Anekdoten.


Eines Tages erzählte mir ein Bekannter, dass seine Mitbewohnerin auch ganz viele Meerschweinchen und Kaninchen hat, und dass die gerade alle Babys bekommen haben. Natürlich besuchte ich sie darauf hin und schaute mir die süßen Kleinen an. Einige Tage später traf ich die Mitbewohnerin in einer Disco wieder und erkundigte mich nach den Tieren. Als sie mich fragte ob ich ein Kaninchen haben möchte, habe ich sofort mit „Ja!“ geantwortet. Schließlich konnte ich mich noch gut dran erinnern, dass meine Klassenkameradin aus der Grundschule immer ein Kaninchen zwischen ihren Meerschweinchen hatte. Also warum sollte ich das nicht auch tun? Tja, zwei Wochen später zog also ein kleines Kaninchen bei mir ein, dem ich erstmal den geschlechtsneutralen Namen Wodka gab. Irgendwie war das ja auch eine Schnapsidee :-).

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Die Meerschweinchen und ihr neuer Mitbewohner verstanden sich anfangs sogar ganz gut. Doch schon bald kam es zu den ersten tierischen Missverständnissen. Wodka wollte die ganze Zeit mit seinen neuen Freunden kuscheln und immer mit ihnen in einer Hütte schlafen. Die Meerschweinchen schlafen aber lieber allein und sehen es als Anlass für einen Revierkampf wenn jemand in ihre Hütte kommt. Da Wodka nach cirka vier Wochen bereits doppelt so groß war wie die Meeris haben die ihn als Bedrohung empfunden und sind aus dem Häuschen geflohen. Er ist natürlich hinter her gegangen, weil er ja soooo gern mit ihnen zusammen sein wollte, das wiederum empfanden die Meeris als Verjagen und gerieten noch mehr in Panik und liefen weg. Wodka hat auch nicht verstanden dass Hänschen und Flöckchen nicht geputzt werden wollen. Untertänigst wie die beiden waren haben sie ihm auch immer brav das Köpfchen hingehalten und der Hasi hat sie geleckt - so lange, bis Flöckchen eine kahle Stelle rund ums Auge in der Größe einer Zwei-Euro-Münze hatte.

Keines der Tiere wirkte in diesen Tagen wirklich glücklich. Die Meeris waren völlig verstört und Wodka nur noch auf mich fixiert. Er rannte mir den ganzen Tag hinterher wie ein kleiner Hund und saß stundenlang auf meinem Schoß und leckte meine Hand ab. Ich hatte mittlerweile natürlich auch im Internet mehr als einmal die Information bekommen, dass Kaninchen und Meerschweinchen jeweils einen eigenen Artgenossen brauchen und traf somit eine Entscheidung: Ich hatte mir schließlich ohne zu überlegen ein Tier ins Haus geholt und musste nun die Verantwortung übernehmen, koste es was es wolle. Mein erster Weg führte mich zum Tierarzt, denn schließlich musste ich ja erfahren, welches Geschlecht mein Kleiner hatte um den passenden Artgenossen zu holen. Es stellte sich heraus, dass Wodka ein Männchen ist und somit zu allererst kastriert werden musste. Eigentlich kastriert die Tierärztin nicht gern so junge Tiere, aber um Wodka und die Meerschweinchen schnellstmöglich wieder glücklich zu machen, wurde der Kleine von ihr entmannt. Einige Wochen später habe ich mir dann im Tierheim die kleine Baily, ein schwarzes, damals vier Monate altes Löwenkopf-Kaninchen ausgesucht.

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Die kleine Baily tat sich am Anfang ziemlich schwer bei uns. Schon im Tierheim wurde sie mir als sehr ängstlich beschrieben und das bestätigte sich auch bei mir zu Hause. Sie ließ mich gar nicht in ihre Nähe und auch Wodka war ihr viel zu ungestüm. Dieser hat sich natürlich riesig über seine Artgenossin gefreut und wollte am liebsten die ganze Zeit kuscheln, doch Baily hat ihn anfangs sehr auf Abstand gehalten. Aber nach einigen Wochen bin ich morgens aufgewacht und habe zwei kuschelnde Kaninchen vorgefunden. Hurra! Zusammenführung erfolgreich! In den nächsten Monaten musste ich einmal mehr feststellen, dass es eine Sache ist, eine halbwegs gute Meerschweinchenhalterin zu sein, und eine ganz andere Sache ist zwei Kaninchen zu halten. Es gab und gibt immer noch sehr sehr viel für mich über diese anspruchsvollen Lebewesen zu lernen, die ja komplett von mir abhängig sind. In dieser Zeit hat mein Engagement im Internet angefangen. Ich wollte mein Wissen über Kaninchen und Meerschweinchen erweitern und meine Erfahrungen mit anderen teilen. Auf diese Art und Weise bin ich auf viele unterstützenswerte Initiativen gestoßen, die alle auch einen Platz auf dieser Seite bekommen werden. Um auch in meiner Stadt etwas für Kleintiere zutun bin ich Futterpatin im Tierheim geworden und informiere mich regelmäßig auf deren Website .

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Außerdem haben meine süßen Fratzen und ich derweil Unterstützung von Zweibeiner Florian bekommen. Denn diesem wurde schnell klar, dass es mich nicht ohne meinen kleinen Zoo gibt. Zum Glück ist er aber mindestens genauso tierlieb wie ich und hatte so auch kein Problem damit mit mir und den vier Chaoten zusammen zu ziehen.

Nachdem wir uns in der neuen Wohnung eingelebt hatten und Flo den Tieren wunderbare neue Eigenbauten angefertigt hat, begann ich mich wieder vermehrt im Internet zu engagieren. Eines Tages stieß ich auf der Website des Tierheims auf eine ergreifende Meldung. Acht Meerschweinchen, in gesundheitlich schlechtem Zustand und teilweise trächtig wurden abgegeben. Eines davon, ein Männchen war bereits sechs Jahre alt und dazu noch unkastriert. Ich bin vor Mitleid fast zerflossen, denn aufgrund von Erfahrungen die ich in den letzten Jahren gesammelt hatte wusste ich, dass die Vermittlungschancen des alten Mannes schlecht waren. Mit Tränen in den Augen berichtete ich Flo davon, nicht ohne den Hinweis, dass wir ja jetzt schon noch Platz für ein drittes Schweinchen hätten. Wir diskutierten die Fürs und Widers eines dritten Böckchens und waren uns natürlich auch der Tatsache bewusst, dass es nicht immer gut geht wenn man in eine funktionierende Bockgruppe ein drittes Tier hinein setzt. Schließlich beschlossen wir uns den Kerl im Tierheim einfach mal anzuschauen und mit dem Personal zu reden. Flo bestand darauf mitzukommen, denn er hatte Angst, dass ich sonst mit einem Hamster oder irgendetwas anderem im Schlepptau zurückkomme. So kamen die Farbmäuse Eowyn, Miss Marple und Frechdachs zu uns :-).

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Denn neben dem Meerinotfall gab es im Tierheim auch noch 22 Farbmäuse, die das Mitleid und vor allem das Interesse meines Freundes erregten. Tja soviel zum Thema aufpassen *dummdidumm*.

Das Thema "Drittes Meerschweinchen" mussten wir allerdings vertagen, da der alte Mann immer noch in einem schlechten Zustand war und nicht feststand wann er vermittelt werden konnte. So blieb uns mehr Zeit uns über Bockgruppen zu informieren und letztendlich haben wir die Entscheidung getroffen das Risiko auf uns zu nehmen und dem alten Mann einen schönen Lebensabend bei uns zu gönnen. Eine Woche später ging es ihm dann so gut, dass er als achter und vorerst letzter süßer Fratz bei uns einziehen konnte. Unser Onkel Dagobert hat sich prächtig eingelebt und kommt in der Bockgruppe auch sehr gut zurecht. Anfangs erschien er uns für sein Alter sehr aktiv und fit, doch seit er sich sicher fühlt und Vertrauen zu uns und seinen Jungs gefasst hat muss ich sagen dass er ruhiger geworden ist und man ihm sein Alter schon anmerkt. Aber solange wir das Gefühl haben dass es ihm gut geht und er nicht leidet werden wir alles dafür tun dass er noch eine schöne Zeit hat. Wir wissen nicht viel über seine Vorgeschichte, aber was wir wissen lässt vermuten, dass es die erste schöne Zeit in seinem Leben ist.

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Tja und wir, die Zweibeiner, haben innerhalb kürzester Zeit einen echten Kleintierzoo bekommen. Dies bringt natürlich auch viele Probleme mit sich. Böse Blicke der Nachbarn wegen zu viel Müll, häufige Tierarztbesuche, viel Lärm, viel Dreck und man braucht immer jemanden der mal schaut wenn man mal ein paar Tage weg will. Doch trotz alledem möchten wir keinen einzigen unserer Fratzen missen. Sie sind eine echte Bereicherung für unser Leben. Alles was sie an Geld, Kraft, Zeit und Nerven nehmen geben sie auf ihre Art und Weise tausendfach zurück. Es gibt nichts schöneres als beim Betreten der Wohnung von einem Quiekkonzert der Meerschweinchen empfangen zu werden, beim Arbeiten am Schreibtisch zwei Kaninchen um die Beine laufen zu haben und nach einem langen Tag auf dem Sofa zu liegen und statt dem unterdurchschnittlichen Fernsehprogramm den drei Mäuschen zuzuschauen.

Tja, das ist die Geschichte der Süßen Fratzen. Zumindest bis zum heutigen Tag - aber sie wird sicher noch weiter gehen, denn so manchem Unkenruf zum Trotz werden wir weder unseren Zoo verkleinern noch werde ich aufhören mich für Kleintiere und deren artgerechte Haltung zu engagieren.