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Tierschutz PDF

Tierschutz ist ein sehr weit gefasster Begriff. Dies zeigt allein die große Vielfalt an Tierschutz Organisationen und deren verschiedensten Anliegen. Jedes von ihnen hat seine Berechtigung. Im Folgenden soll es allerdings besonders um die Rechte von Haustieren bzw. Kleintieren gehen.

Kaninchen, Meerschweinchen, Chinchillas, Degus, Hamster, Ratten, Mäuse oder andere beliebte Haustiere haben so gut wie keine Lobby. Sie gelten als anspruchslose Kuscheltiere, die man sich ohne bedenken ins Kinderzimmer stellen kann. In der Vorstellung von vielen Leuten sind sie nicht viel mehr als Plüschtiere die sich bewegen; und genau wie man Plüschtiere entsorgt wenn man das Interesse an ihnen verloren hat oder es zu viele werden, passiert das auch mit den Haustieren. Die Folge davon sind überfüllte Tierheime und Pflegestationen. Doch das ist noch nicht alles. Neben den Futter und Unterbringungskosten, die die Tierheime für die nicht mehr erwünschten Haustiere aufbringen müssen, fallen häufig hohe Kosten für medizinische Versorgung an. Viele Tiere die abgegeben oder ausgesetzt werden sind nämlich dazu auch noch krank. Zahnfehlstellungen, Milben, Verdauungskrankheiten, Parasiten, Haltungsschäden oder Probleme mit den Füßchen sind oft Folgen von schlechter Haltung. Denn die „anspruchslosen Plüschtiere“ sitzen allzu häufig in viel zu kleinen und nicht artgerechten Käfigen, in feuchten Kellern oder auf zügigen Dachböden. Sie werden falsch angefasst oder hochgehoben und was in ihren Fressnäpfen landet treibt Kennern von Kleintieren die Tränen in die Augen. Tierarztbesuche werden aufgrund der Kosten gar nicht erst unternommen, denn schließlich sind es ja nur „Plüschtiere“ die sich bewegen und wenn eins kaputt geht kauft man halt ein Neues, das ist schließlich oft viel billiger als es behandeln zu lassen.

Dieses Problem genießt leider keinerlei öffentliche Aufmerksamkeit. Wenn in Bayern ein Bär herumläuft, Vögel aufgrund der Bedrohung durch Vogelgrippe getötet werden sollen oder Wale gefangen werden, laufen Tierschützer, Politiker, Journalisten und Umweltschützer Sturm - zurecht wie ich finde -, doch leider interessiert sich keiner für die alltägliche Tierquälerei in deutschen Kinderzimmern. Es gibt immer noch keine Gesetze, die die Heimtierhaltung hierzulande eindeutig regeln. Das österreichische Tierschutzgesetz gilt als das modernste Europas und gibt Tierschützern in diesem Bereich zumindest eine Handhabe. Es stellt mit Mindestdetailanforderungen die artgerechte Tierhaltung zumindest ansatzweise sicher und verpflichtet Veterainerämter bei Bedarf auch in Privathaushalten zu kontrollieren.

Folgende zwei Haltungsfehler werden besonders oft begangen. Wenn man auf sie hinweist stößt man bei Haltern immer wieder auf Unverständnis und fehlende Bereitschaft diesen Zustand zu ändern.
 
1. Einzelhaltung von Schwarm-, Kolonien- oder Rudeltieren

Kaninchen, Meerschweinchen, die meisten Mäusearten, Chinchillas, Degus und Ratten leben in der freien Natur in Kolonien oder Rudeln. Zu ihrem natürlichen Lebensraum gehören also immer auch Artgenossen. Werden sie als Heimtiere gehalten sollte dies mit Berücksichtigung der artgerechten Haltung mindestens mit einem Artgenossen geschehen. Einzelhaltung von Kolonie- oder Rudeltieren ist Tierquälerei, da den Tieren die Möglichkeit des sozialen Kontakts genommen wird.

Häufige Argumente mit denen Halter versuchen die Einzelhaltung zu verteidigen:

"Ich kümmere mich selbst sehr viel um mein Tier."

Viele Halter glauben, dass sie einem Tier den Artgenossen ersetzen könnten. Dies ist allerdings nicht möglich. Zwar genießen viele Tiere die Aufmerksamkeit, Fürsorge und Liebe ihrer Halter, doch brauchen sie auch jemanden, mit dem sie kommunizieren können. Auch wenn ein Halter sich 24 Stunden am Tag mit seinem Tier beschäftigt, bleibt dieses einsam. Genauere Informationen hierzu können für Kaninchen, Meerschweinchen und Mäuse an anderen Stellen dieser Homepage nachgelesen werden. Für andere Tiere informieren sie sich bitte auf den entsprechenden Seiten.

"Mein Tier ist mit einem anderen Haustier befreundet"

Der wohl verbreitetste Irrglaube ist, dass Kaninchen und Meerschweinchen eine glückliche Lebensgemeinschaft bilden könnten. Dabei handelt es sich bei diesen Tieren um zwei völlig verschiedene Tierarten, die außer ihrer Vorliebe für Heu und das ein oder andere frische Gemüse nicht viel gemeinsam haben. Sie sprechen nicht die gleiche Sprache, haben unterschiedliche Ansprüche und Vorlieben was ihre Lebensbedingungen angeht und unterschiedliche soziale Verhaltensweisen, aufgrund derer es teilweise zu tödlichen Missverständnissen zwischen den Tierarten kommt. Gleiches gilt etwa für Degus und Chinchillas.

"Mein Tier versteht sich nicht mit Artgenossen"

Dieses Argument hört man oft von Leuten, die irgendwann schon einmal versucht haben ihr Tier mit einem Artgenossen zu vergesellschaften und bei denen dieser Versuch gescheitert ist. Es gibt unterschiedlichste Gründe, warum dies nicht funktioniert hat. Häufig fängt es schon damit an, dass die artspezifischen Zusammenführungsregeln nicht beachtet wurden. (Genauere Informationen hierzu gibt es wieder für Meeris, Mäuse und Kaninchen auf dieser Seite). Oft wurden auch artspezifische Unverträglichkeiten nicht berücksichtigt, so ist es zum Beispiel schwerer weibliche Kaninchen mit einander zu vergesellschaften und so gut wie unmöglich, dass unkastrierte männliche Kaninchen friedlich zusammen leben. Auch bei reinen Böckchengruppen vom Meerschweinchen muss einiges beachtet werden. Es ist also wichtig sich genau zu informieren wenn man seinem Haustier einen Freund/eine Freundin dazu holen möchte.

Natürlich gibt es auch Tiere, die sich trotz allem nicht miteinander vertragen. Genau wie es Menschen gibt, die einfach nicht miteinander klar kommen. Doch das ist kein Grund, ein Tier sein Leben lang allein zu lassen.

"In der Zoohandlung wurde mir eine andere Information gegeben"

Das glaube ich aufs Wort. Zoohandlungen leben davon, dass sie Kleintiere verkaufen und das tun sie um so mehr, wenn sie diese als anspruchslose, kleine Kuscheltiere darstellen, denn der eine oder andere Kunde würde sich den Kauf eines Kaninchens vielleicht noch überlegen wenn er hören würde, dass er dann ein Zweites braucht.

"Ich habe nicht genug Platz für zwei Tiere"


Wo Platz für ein Tier ist, ist auch Platz für zwei. Im nächsten Punkt werde ich genaueres zu den Platzansprüchen von Tieren schreiben, womit sich dieses Argument von selbst entkräften sollte.

2. Zu geringes Platzangebot

Was man in Zoohandlungen teilweise an Käfigen für Heimtiere angeboten bekommt kann man nur noch als unverschämt beschreiben. Die Tiere um die es hier geht haben einen natürlichen Bewegungsdrang und einen gewissen Platzbedarf. Hier gilt: zuviel Platz gibt es nicht! Dafür aber einige Mindestanforderungen, die auf keinen Fall unterschritten werden dürfen. Denn schließlich erzeugt die Vorstellung, sein Leben in einem Raum in der Größe eines  Personenaufzugs zu verbringen ja auch bei den meisten Menschen Platzangst. Auf dieser Seite findet man umfassende Informationen zur Unterbringung von Kaninchen, Meerschweinchen und Farbmäusen, sowie zu unseren Eigenbauten.

"Aber in der Zoohandlung wurde mir der 80x50 Käfig für ein Meerschweinchen verkauft"

Auch hier gilt wieder: Zoohandlungen leben davon die bei ihnen angebotenen Tiere als möglichst pflegeleicht dazustellen. Nicht jeder würde mehr ohne zu zögern ein Tier kaufen wenn ihm klar wäre, dass es unter Umständen 1-2 qm Platz benötigt.

"Meine Tiere bekommen regelmäßig Auslauf"

Das ist sehr schön und zu dem äußerst wichtig für die Tiere, aber man sollte bedenken, dass sie trotzdem den größten Teil ihres Lebens in ihren Käfigen verbringen und diese daher so groß wie nur irgend möglich sein sollten.

Man könnte die Liste von Haltungsfehlern beliebig fortführen, von falschem Futter über mangelnde Bereitschaft zum Tierarzt zu gehen zu fehlender Fell, Krallen oder Zahnpflege. Häufig ist es jedoch nicht die Schuld der Halter, das solche Fehler begangen werden sondern die es ist mangelnder Beratung und schlechter Information anzukreiden. Oft kennen sich selbst Tierärzte nicht besonders gut mit Kleintieren aus und auch in der gängigen Informationsliteratur findet man nicht viel Lesenswertes. Der Verbreitung des Internets ist es zu verdanken, dass viele Tierhalter in den letzten Jahren ihre Haltungsbedingungen verbessert haben und Fehler vermieden wurden. An dieser Stelle möchte ich mehrere, unterstützenswerte Initiativen vorstellen.